Sara Nuru: Warum wir mehr Models wie sie brauchen

Wie kann man Sara Nuru eigentlich nicht toll finden? Sie engagiert sich für Kinder in Äthopien, schaut kritisch auf das Modelbusiness und sieht dazu noch richtig gut aus. Deshalb ist es höchste Zeit, ihr einen besonderen Artikel zu widmen.

Blicken wir auf die Kandidatinnen von Germanys Next Topmodel, finden sich viele Beispiele, die die negativen Aspekte der Sendung herausarbeiten. Micaela Schäfer nutzte ihren kurzen Ruhm bei GNTM, um sich als nudistisches It-Girl zu positionieren, Sara Kulka ist in diversen Trash-Formaten zu finden und Marissa Marolt fällt größtenteils durch ein besonders loses Mundwerk auf. Betrachtet man allein diese Fälle, rückt die Modelsendung in ein extremes schlechtes Licht – ja, fast schon in eine dunkle Ecke. Aber glücklicherweise gibt es genügend Gegenbeispiele; herausragende Persönlichkeiten, die GNTM hervorbrachte und die ihre Bekanntheit positiv einsetzen. Sara Nuru ist der Prototyp eines weltoffenen und sozial engagierten Models.

Ein von Sara Nuru (@saranuru) gepostetes Foto am

Ein kurzer Rückblick: Mittlerweile ist es sechs Jahre her, als Heidi Klum das vierte Topmodel kürte. Sara Nuru setzte sich als Gillette Venus-Girl gegen Marie Nasemann und Mandy Bork durch und feierte im Anschluss eine erfolgreiche Modelkarriere. Gebucht von H&M, McDonalds oder Maybelline Jade ging sie bei den größten Auftraggebern ein und aus. Zusätzlich war und ist ihr Typ so gefragt, dass sie in New York, Mailand und Berlin auf den Laufstegen zu finden war. Für den Dessous-Hersteller Lascana zeigte sie ihre sinnliche Seite und präsentierte aufreizende Bademode.

Ein Leben zwischen Glamour und Armut

Aber das ist nicht die herausragende Eigenschaft von Sara Nuru. Dass sie wunderschön ist und auf die Laufstege der Welt passt, zeigte schon ihr Sieg bei Germanys Next Topmodel. Die Gewinnerin von 2009 zeichnet eine andere Eigenschaft aus, die sie zu einer besonderen Teilnehmerin macht: Ihr soziales Engagement und ihr sehr realistischer Blick auf das Modelbusiness. Seit ihrem Gewinn bei GNTM vergingen sechs Jahre und Sara setzt ihren Ruhm mehr denn je für die Schwachen der Gesellschaft ein – besonders in Äthiopien, dem Herkunftsland ihrer Eltern.

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Warum sollte ich mich nicht für die Aktion ‚Menschen für Menschen‘ engagieren?„, antwortet Sara Nuru im Interview mit „Deutsche Welle“ und führt weiter aus: „Ich habe ein Pflichtgefühl als Person in der Öffentlichkeit, auf Dinge aufmerksam zu machen, die nicht jeder sofort auf dem Schirm hat.“ Diese Einstellung hebt Sara Nuru von vielen anderen Kandidatinnen bei GNTM ab, die nur den schnellen Ruhm suchen und sich selbst profilieren wollen. Es scheint undenkbar, dass Joop-Liebling Nathalie morgen nach Syrien fliegt und dort Lebensmittel verteilt. Das muss sie aber auch gar nicht. Ebenso wenig wie Sara Nuru – und dennoch hat sie diesen Weg gewählt. Einen Weg, der ihr das Leid in anderen Ländern aufzeigt und das eigene, äußerst privilegierte Leben in ein anderes Licht rückt.

Flüchtlingskind einer anderen Generation

„Als ich das erste Mal in Äthiopien war und kleine Kinder am Straßenrand gesehen habe, die barfuß und stundenlang Wasserkrüge tragen mussten, habe ich mich oft gefragt: Das hättest auch Du sein können“, berichtet Nuru und ist ihren Eltern im Nachhinein dankbar, dass sie den Mut aufbrachten, aus den ärmlichen Verhältnissen zu fliehen. Sara Nuru ist ein Flüchtlingskind. Sie ereilte das gleiche Schicksal wie jedem Baby und jedem Kind, das aktuell aus Syrien nach Deutschland flieht. Auf der Suche nach einer besseren, unbeschwerteren Zukunft für die eigenen Kinder nahmen Saras Eltern allen Mut zusammen und verließen Äthiopien. Das Thema scheint aktuell wie nie zu sein, auch wenn das Topmodel bereits seit einem Vierteljahrhundert in Deutschland lebt. 25 Jahre später kommt Sara Nuru zurück in ihr Mutterland und hilft beim Aufbau.

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Die Bildung der Kinder liegt ihr besonders am Herzen. Als Botschafterin der Stiftung „Menschen für Menschen“ sammelt sie in ganz Deutschland Spenden ein, um das „Projekt Generation ABC-2015“ auf den Weg zu bringen. Auch dank des Engagements des Topmodels haben mittlerweile mehr als 1.000 äthiopische Kinder Zugang zu schulischer Bildung. Wer genau hinschaut, findet in ihrem Heimatland sogar eine Sara-Nuru-Schule.

Das Topmodel gehört in Äthiopien zum erweiterten Prominentenkreis. Bereits der Sieg bei Germanys Next Topmodel sorgte in ihrem Heimatland für Begeisterung. „Wahre Schönheit kommt von innen, nicht von Gesichtscremes“, erzählt Marathon-Weltrekordler Haile Gebreselassie, als er Sara Nuru erstmals trifft. Mit dieser Aussage will der äthiopische Volksheld das engagierte Model jedoch nicht diskreditieren, sondern hebt in besonderem Maße ihren Charakter hervor. Einen Charakter, der dass eigene Glück gerne mit anderen teilen möchte und dabei den Blick zuerst auf die Schwachen der Gesellschaft richtet.

„Wenn ich zurück nach Deutschland komme, bin ich viel geerdeter  als vorher“ – Sara Nuru über ihre Reisen nach Äthiopien

Und was bringt nun der Einsatz der schönen Botschafterin? Bewirken ihre Arbeit und die Arbeit vieler Helfer wirklich etwas in dem ärmlichen Land? Ja, auf jeden Fall! Gemeinsam mit dem Kaffeehersteller Dallmayr pflanzte sie tausende Bäume; mit der Stiftung „Menschen für Menschen“ ermöglichte sie hunderten Kindern eine schulische Ausbildung und spendet gleichzeitig Hoffnung. „Überall wird gebaut, es werden Wolkenkratzer hochgezogen, es tut sich ganz viel in diesem Land“, berichtet Nuru gegenüber „Welt“.

Sara Nuru schafft den Spagat: Auf der einen Seite steht das erfolgreiche Model, das bis heute für viele Marken vor der Kamera steht und regelmäßig auf großen Events zu finden ist. Auf der anderen Seite ist Sara Nuru eine Kämpferin gegen Armut und Ungleichgewicht, besonders in ihrem Land Äthiopien. Kein anderes Model von GNTM setzt sich dermaßen intensiv für Bildung und Aufbau ein. Und genau deshalb wünschen wir uns, dass in Zukunft viel mehr Models dem positiven Beispiel von Sara Nuru folgen, statt sich für Boulevard-Magazine zu belanglosen Themen zu äußern. Deshalb können wir den Artikel nur mit folgenden Worten beenden: Vielen Dank, liebe Sara! 

8. Oktober 2015 von Kevin

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