GNTM-Folge 5: Eine Frau geht ihren eigenwilligen Weg

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Fataswing

Jennifer ist raus. Nach einer masochistischen Vorstellung, mit der sie mit Leichtigkeit in Fifty Shades of Grey hätte mitspielen können, verabschiedet sich die Neublondine von der medialen Modelbühne. In der fünften Folge GNTM 2016 ließ Jennifer keine Chance aus, um ihren vor einer Woche aufgebauten Erfolg in detailverliebter Weise auseinanderzunehmen. Mit chirurgischer Präzision timte sie fiese Angriffe oder drückte minutiös genau auf die äußerst feuchte Tränendrüse. Doch ist die Schuld allein bei der 17-Jährigen zu suchen, die doch nur so gern Model werden wollte? Wir versuchen, die Antwort zu finden.

Jennifer: Blondes Haar, dunkle Seele

Grundsätzlich scheint die Antwort schnell und einfach herauszufinden zu sein. Jennifer war der Stinkstiefel der Partyclique „Team Hayo„, zog sich zurück und fand in der äußerst beliebten Fata ihr persönliches Feindbild. Keine Szene wurde ausgelassen, in der nicht noch einmal nach der Beziehung zwischen den unterschiedlichen Haarfarben gefragt wurde; das Kamerateam bohrte gekonnt nach. Und so waren die Fronten schnell geklärt.

Auf der einen Seite die schöne Fata, die grazil von einem Erfolg zum nächsten gleitet und sich von Lob überschütten lässt als wäre es eine warme Dusche nach einem anstrengenden Arbeitstag. Auf der anderen Seite die mit selbstbewusst in die neue Woche gestartete Jennifer, die aufgrund des erfolgreichen Umstylings bereits von der großen Modelkarriere träumt – und dennoch keinen Job erhält. Betrachtet man allein die Fernsehbilder, scheint der Neid auf Fatas Erfolg Jennifer fast schon aufzufressen. Mit geballter Faust (und eventuell auch Messer zwischen den Zähnen) muss die bereits aufgewühlte Blondine jede Bewegung ihrer schwarzhaarigen Kontrahentin beschreiben und wühlt sich immer weiter hinein in ein Loch aus Missgunst.

Wäre sie ein Boxsack…der Boxsack würde nicht überleben. – Jennifer über den Anblick ihrer Kontrahentin Fata

Ruft Mulder und Scully! Die Wahrheit liegt irgendwo da draußen

Und während Jennifer die dunkle Wolke über ihrem Kopf nicht wegdrücken kann, erhält Fata den begehrten „Fashion Avenue„-Job. Doch damit nicht genug. Die aussortierte Auszubildende kann sich mit ihrer Trauer noch nicht einmal zurückziehen, sondern muss im Anschluss zuschauen, wie sich Fata in Lederkluft auf röhrenden Motorrädern windet und erneut von links und rechts mit Lob zugeschüttet wird. Aber wie so oft ist GNTM eben nicht so, wie es augenscheinlich vermuten lässt. Das erfuhren wir bereits von Ajsa, die ihre Videobotschaft gegen Varisa im Interview verteidigte. Und auch im Fall der Neublondine scheint es mehr zu geben, als uns ProSieben offenbaren will.

Auf Instagram erschien direkt im Anschluss an die fünfte Folge Germanys Next Topmodel 2016 ein Foto, auf dem Jennifer verrät, dass die Darstellung im Fernsehen nicht der Wahrheit entspricht. (Anm.d.Red.: Das Foto wurde mittlerweile wieder gelöscht) Ob das nun nur ein Versuch ist, die eigene Haut zu verteidigen oder tatsächlich ein Hilferuf ist, können wir nicht ganz beurteilen. Aber GNTM hat schon immer eine sehr eigenwillige Dramaturgie aufgezogen, die oft nicht alle Seiten gleichermaßen beleuchtete.

Wie wäre es also, wenn das Bild von der einsamen und von der Gruppe abgetrennten Jennifer aus dem Kontext gerissen wäre? Oder wenn die Clique, die sich auf Fatas Seite stellte nur ein Teil von Team Hayo wäre? Immerhin wurde Jennifer im Anschluss an ihren Rauswurf von Taynara in den Arm genommen und getröstet, während Fata lieber über Karma und das schlechte Bild von Jennifer sprach. Auch wir stochern hier nur im Nebel; aber wir möchten vielleicht auch einfach selber glauben, dass die selbstzerstörerische Art von Jennifer nicht ganz der Wahrheit entsprach. Nichtsdestotrotz ist Jennifer raus. Aber es sollte nicht der einzige Abgang aus Team Hayo werden.

Laura geht – Jasmin geht mit?

Gemeinsam mit Jennifer trat auch Laura den Heimweg an. Laura, die in der zweiten Folge noch mit den bösartigen Schmetterlingen in ihrem Bauch kämpfte und nur durch Jasmins zureden zum Bleiben überreden werden konnte. Laura, die mit einmal neben Elena als einzige Rothaarige durch die Modelschar stolzierte. Laura, die wir eigentlich mal ganz weit vorne sahen. Sie ist der normale Abgang der Folge. Es stimmte einfach die Leistung nicht. Heidi sagte bei der Entscheidung, dass „die anderen Mädchen härter kämpfen„, und vermutlich stimmt das auch. So viel Vertrauen haben wir dann doch noch zur Jury.

Aber wenn wir über Laura und Jasmin reden, kommen wir an einer Szene nicht vorbei, auf die mich unsere Grafikerin Maria aufmerksam machte: Jasmins angeblicher Wunsch nach einer Abreise, weil Laura raus ist. Ab irgendeinem Punkt war das einfach zu viel Dramaturgie für eine Folge. Jennifer zickt sich ins Abseits, die geschundene Fata weint im Kreise ihrer Liebsten und Jasmin verzweifelt ob des Abschieds von Laura. Natürlich kann das alles so in einer Folge vorkommen, aber ein paar Kleinigkeiten waren dann doch zuviel des Guten.

GNTM-Blog Powerranking nach Folge 5:

  1. Julia: Trotz wenig Fernsehzeit war sie die Nummer Eins. Macht einfach keine Fehler.
  2. Kim: Gleiches Bild wie bei Julia. Braucht gerade keine Aufmerksamkeit, um ganz oben zu landen.
  3. Luana: Der aktuell stärkste Lockenkopf – überzeugte vor allem beim Shape-Casting.
  4. Taynara: Bester Walk, Cover-Girl und Trösterin – wir fanden Taynaras Woche klasse.
  5. Jasmin: Neu! Jetzt auch mit Lauf-Fähigkeiten!

Da wäre zum Beispiel die Reaktion von Michael Michalsky, der sich nach Jasmins Abwanderungsgedanken spontan die Hände vors Gesicht schlug und ans Ende der Stuhlkante rutschte. Ein bisschen kamen wir uns vor wie in einem Louis de Funes Film: „Nein, doch, Oh!

Weiterhin stieß uns das Gespräch mit Mentor Thomas Hayo ein bisschen komisch auf. Es reichen schon zwei kleine Sätze („Du kannst hier ganz weit kommen!„, „Denk an die persönliche Erfahrung.„), um das halb im Flieger sitzende Bein von Jasmin wieder aus Flugzeug zu ziehen. Sollte so Drama künstlich inszeniert werden? Immerhin gibt es in jeder Staffel mindestens einmal die große Frage nach einem freiwilligen Abgang. Das Ende vom Lied ist bekannt: Jasmin bleibt bei GNTM 2016, wird weiterhin zum Favoritenkreis zählen und hat jetzt einen noch größeren Stein im Brett der Jury.

Julia hoch Drei: Die perfekte Quote der Hamburgerin

Apropos Favoritenkreis: Der Kreis ist eigentlich ein sehr direkter Pfeil. Und dieser zeigt in blinkenden Lettern auf Julia, die von der Jury (nicht zu Unrecht) gesagt bekam, dass sie das Modelfeld mit Abstand anführe. Auch wir haben unsere anfängliche Skepsis abgelegt und sind Fans des besonderen Looks geworden. Julia kann anscheinend modeln und braucht das ganze Training nicht. Schauen wir uns ihre bisherigen Leistungen an, wissen wir nicht so recht, welchen Einfluss die Mentoren noch auf die „fertig ausgebildete“ Julia nehmen sollen. Deshalb tippen wir einfach mal darauf, dass die Hamburgerin die Modelsendung nur nutzt, um eigenes „Networking“ zu betreiben.

Wie stark ihre Leistung bisher ist, zeigte Julia, als es erneut um einen Job ging. Für das „Indie Magazine“ ergatterte sie gemeinsam mit Taynara und Jasmin nicht nur eine Fotostrecke, sondern auch direkt das Cover. Dritte Jobmöglichkeit, dritter Job – eine solche Quote kann sonst nur Gustav Gans vorweisen. Ebenfalls stark: Luana, die sich als Shape-Girl in das Magazin und in die Herzen der Kunden trainierte. Luana zeigte, dass mehr in ihr steckt, als ein schöner Lockenkopf. Eine Lektion, die Yusra anscheinend noch lernen muss.

Und wir dachten, Yusra wäre schüchtern und zurückhaltend!

Denn neben Jennifer war Yusra das zweite Problemkind der fünften Folge GNTM 2016. Ihre augenscheinliche Lustlosigkeit (aufgrund mangelnder Fitness) auf den Shape-Job drängte die schöne Eriträerin schnell in eine gefährliche Ecke. Von nun trägt sie den Namen: Yusra, die Unmotivierte. Sowohl die Jury als auch Michael Michalsky sprachen den mangelnden Ehrgeiz mehrmals an und brachten den Trotzkopf fast zur Weißglut. Immer wieder schossen sich die Protagonisten auf die eine Szene von Yusra ein – wie ein Pitbull auf Fleischeslust verbissen sie sich in der leckeren Antriebslosigkeit des Lockenkopfes. Michalsky nutzte dabei wieder seine typische Taktik: Erst lockte er die Models im Glauben an einen Cocktail-Abend in ruhiges Gewässer, bevor er die See mit dem Aufdecken prominenter Probleme in Wallung brachte.

Yusras Wellengang führte dazu, dass sie sich noch mehr in ihre Trotzigkeit verkroch, die Annahme von Kritik verweigerte und wutentbrannt den Raum verließ. Ihre halbherzige Entschuldigung während der Entscheidung brachte zwar Michalsky an den Rand der Tränen, doch das geübte Zuschauerauge sah, dass Yusra die Situation nur schnell hinter sich bringen wollte. Absolut nachvollziehbar.

Und sonst so:

  • Fotoshooting mit Superstar: Für das große Shooting in luftiger Höhe wurde diesmal Robert Erdman gewonnen – ein echter Starfotograf. Wir finden das klasse und hoffen, dass die Models diese Möglichkeit auch genossen haben.
  • Elena startet durch: Von wegen im Hintergrund! Elena (ohne C) durfte sich nicht nur über einen Job für das Magazin „Fashion Avenue“ freuen, sondern strahlte am Ende auch vom Cover der Gazzette. Läuft.
  • Unsportlichkeit wird groß geschrieben: Während der Autor des Artikels bereits beim Treppenlaufen stärker schwitzt als Reiner Calmund beim Anblick eines frischen Steaks, dürfen die Models sowohl schlank als auch unsportlich sein. Wir finden das äußerst unfair. Überraschend dabei: Kim, die Pferdeartistin, sah beim Yoga eher aus wie ein notgelandetes Flugzeug. Damit hatten wir nicht gerechnet.
  • Genug Drama: Für die nächsten Wochen reicht es erstmal mit Drama. Aber wir haben die schreckliche Vermutung, dass es jetzt erst richtig losgeht.
  • Noch 15 Models: Wir haben mal durchgezählt – es steht immer noch 8:7 für Hayo gegen Michalsky. Der „Battle“ geht weiter.

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  • lufel

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    Wunderbarer Artikel, bitte weiter so!

    Als ich die Vorschau für nächste Woche sah, wurde mir bewusst, dass GNTM wieder Richtung letzte Staffel gehen kann. Fliegende Models, Drama mit Yusra (Meine Güte, diese Kameraleute belästigen die Armen zur jeder Sekunde. „Naaa bist du lustlos? Und wie fühlst du dich jetzt? Stimmst du dem allen zu?“) und auch wieder mit Jasmin, die Probleme hat mit den Männern wegen ihren Freund.
    Das Yusra-Drama wird komplett ausgeschöpft bis Sie sie gehen lassen. So war GNTM, so wird es (leider) auch bleiben.
    Dennoch war das Fotoshooting diesmal wirklich wunderschön und ich bin glücklich, dass es verschiedene Fotografen gibt (Wobei mir der Hund bei 10 Meter Höhe auch nicht geheuer war :D)

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  • Sidonie

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    Mir ist die Sache mit Jennifer auch irgendwie komisch vorgekommen. So naiv eifersüchtig kann man doch fast nicht sein, auch mit 16 nicht. Da muss irgendwie mehr dahinter stecken, irgendwie muss es da noch eine andere Seite geben. Steht die „Gegenspielerin“ schon als Gewinnerin fest, und muss deshalb in den Augen der Zuschauer „moralisch unschuldig und makellos“ bleiben? Oder ist Jenny doch einfach nur ehrlich und mit der neuen Rolle, die sie spielen soll, einfach überfordert? Es scheint mir aber auch so, dass Jenny in eine Dummchen-Rolle gedrängt werden soll, zumindest von denen, die die kleinen Backstage-Filme machen. In einem dieser Filme – ich weiß schon gar nicht mehr, in welchem, und habe ihn später auch nicht mehr wieder gefunden – gibt Jenny auf eine Frage eine ausführliche Antwort, zu hören sind aber nur die ersten Worte, der Rest wird im Schnelllauf des Tonbandgerätes abgespielt, so dass es sich wie Micky-Maus anhört. Das soll wohl heißen, Jenny hält einen unwichtigen und belanglosen Monolog, den man als Zuschauer nicht zu hören braucht, oder? Eine Aufnahme so zu manipulieren finde ich schon ziemlich diskriminierend und respektslos dem Mädchen gegenüber. Das gibt schon zu denken. Schaut das Kamerateam auf Jenny herab?

    Dass da im Hintergrund irgendwas Komisches läuft, dazu passten auch Jasmins Flucht-Gedanken. Mir kam so der Verdacht, dass Jasmin in Wirklichkeit vielleicht die ganze Manipulation der Sendungsmacher auf die Nerven gehen könnte. Dass Jasmin nur Aufmerksamkeit bekommen wollte, wie ihr vorgeworfen wurde, glaube ich nicht. Da glaube ich eher Jasmins Stellungnahme zu diesem Vorwurf – Aufmerksamkeit könnte sie jederzeit auch anders genug bekommen, und zwar satt.

    Richtig genossen habe ich, dass es Jasmin anscheinend gelungen zu sein scheint, die Juroren-Situation umzukehren. Die Spannung, die Heidi immer vor jeder Entscheidung aufbaut, und die dann darin endet, dass sie sagt: „ich habe leider kein Foto für dich“ hat diesmal Jasmin vor Thomas Hayo aufgebaut, bis sie endlich sagte……“ich bleibe.“ Gut hingekriegt, Jasmin ! (vorausgesetzt das war nicht doch Teil einer Inszenierung des Films für die Zuschauer)

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    • Zach

      Das mit dem Schnellabspulen kam im Anschluss an Jennifers Bewertung durch die Jury nach dem Umstylen, Stichwort „Die Aldi-Kunden müssen noch warten“.
      Ich war neugierig und hab mir die Stelle langsamer angehört. Sinngemäß sagt Jennifer, dass sie von Jury gelobt wurde, weil sie nicht geweint hat wie die anderen Mädchen. Dann kommt sie wieder auf die Mama zu sprechen, die auch immer den Ratschlag gibt, mehr cool zu sein, und das hat sie versucht und das kam bei der Jury gut an.
      Ich denke, man hat Jennifer hier einen Gefallen getan, diese Stelle zu überspringen, das ständige Mama-Gerede ist ja auf Dauer peinlich.
      (Und ja, natürlich wird manipuliert, man will ja einfache Geschichten für ein einfaches Publikum erzählen. Aber das funktioniert auch, ohne dass jemand schon von Anfang an als Gewinner oder Bösewicht feststeht.)

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  • Daniel

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    Wieder eine schön zusammengefasste Kritik – immer wieder eine Freude deine Sicht auf die Dinge zu lesen.

    Aber das Highlight der Folge für mich, das hier schmerzlich übergangen wurde, ist Jasmins scheinbare Angst vor „Chinesen“ die mich persönlich belustigt hat und mich darin bestätigt hat dass man Menschen aus meinem Heimatland (Österreich) nicht auf die Öffentlichkeit loslassen sollte.

    Und ja, mit Sicherheit inszeniert Pro7, und mit Sicherheit bewirkt der Schnitt viele kleine Wunder, ich bin aber auch felsenfest davon überzeugt dass die Mädchen inzwischen unter handfestem Stress leiden. Einerseits die lange Trennung von der Heimat und der Familie, andererseits fast lückenlose Beobachtung, Druck und Training. Abseits der Senderelevanten Shootings und Walks und Castings wird schließlich auch bestimmt geübt, trainiert, Sport gemacht und (hoffentlich) geputzt und gekocht.

    Ebendieser Stress wirkt sich inzwischen – und Folge 5, also die fünfte Woche passt hier zeitlich gut zu meinen Vermutungen – auf die mentale Verfassung der Mädchen aus. Gerade Laura-Franziskas Kommentare teilweise während der Sendung sprechen genau diesen Druck auch direkt an. Und so kommen eben auch die Coping-Mechanismen zum Vorschein. Auch wenn Pro7 durch Inszenierung nachhilft, so muss ein Grundkonstrukt doch vorhanden sein, und Yusra verarbeitet den Stress eben durch aggressive Konter, Jenny scheint sich besonders durch ihre Außenwirkung das Selbstbewusstsein stärken zu lassen und könnte dementsprechend durchaus milde Neidkomplexe entwickeln. Auch Kim hat es im Fall Yusra schön beschrieben: Yusra geht eben aggressiv damit um, Kim würde wohl heulen.

    Also ja: Natürlich will uns Pro7 etwas verkaufen, aber die inzwischen fünfte Woche unter ständigem Druck lässt bestimmt auch die dunkle Seite der Mädchen hervorscheinen.
    Wenn ich an mich und meine Kommilitonen vor dem Staatsexamen denke kann ich mich da nur zu gut hineinfühlen.

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  • Zach

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    Yusra und Jennifer haben mehr gemeinsam, als es scheint: beide berufen sich auf innere Aufrichtigkeit. Und gerade auf die kommt es nicht an, im Gegenteil.
    Es gibt Leute, die wirken eben nur gelangweilt (etwa so, wie die Bundeskanzlerin mürrisch wirkt — aber ihre herabhängenden Mundwinkel sind, wie sie selbst sagt, genetisch bedingt, nicht Folge ihrer Laune).
    Und so möchte Yusra als jemand gelten, der vielleicht nach außen gelangweilt wirkt, aber in Wirklichkeit hochmotiviert ist. Das kann sie in jedem anderen Beruf als Entschuldigung anbringen, beim Modeln kommt es aber ausschließlich auf den Anschein an, ob sie tatsächlich motiviert ist, ist vollkommen egal. Insofern hat sie mit ihrer Entschuldigung noch die Kurve bekommen — ob diese aufrichtig war, ist unwesentlich. Indem sie Reue nur vortäuscht, ist sie ja tatsächlich einen Schritt weiter. Vortäuschen und Mitspielen gehört einfach dazu, authentisch sein nicht.
    Und bei Jennifer ist es ähnlich. Man könnte auch ihre Familiengeschichte anbringen und die Unfähigkeit, mit Ablehnung umzugehen, auf den distanzierten Vater schieben, zu dem sie keinen Kontakt hat. Aber es ist einfacher, sich darauf zu beschränken, dass Jennifer ebenfalls authentisch sein will. Sie lässt ihre Wut nach draußen, scheut sich auch nicht, den Boxsack-Satz in die Kamera zu sprechen. Sie scheint zu glauben, dass nur belohnt werden kann, wer seine Gefühle so ehrlich und authentisch zeigt. Wie sie ja auch überzeugt ist, dass jeder belohnt wird, der sich wirklich anstrengt und alles gibt. Das Gegenteil ist der Fall, ihre Offenheit wird ihr zum Verhängnis, wird von Kameras unerbittlich festgehalten und von ihren Mitstreiterinnen (wohl zurecht) als unerträgliche Zumutung empfunden. Jennifer kann damit ihre Innenansicht und ihre Wirkung nach Außen nicht mehr in Einklang bringen. Sie ist am falschen Ort und es ist tatsächlich etwas Gutes, dass man sie hat gehen lassen.
    Man kann sich auch fragen, warum der Typ Jennifer überhaupt gefragt war. Vielleicht nur deshalb, weil sie ein wenig ein Gegenmodell zum schlanken Model-Typ darstellt — und dessen Überbewertung ist ja ein häufiger Vorwurf der GNTM-Kritiker. Vielleicht hat Jennifer bei den Castings gespürt, dass ihr Typ einfach nicht gefragt ist.
    Julia hingegen entspricht exakt dem gefragten Typ, und sie ist anpassungsfähig. Sie kann das alternative Indie-Girl genauso gut wie das unkomplizierte Brady-Girl. Vor der Kamera ist sie extrem vorsichtig, gibt sich bescheiden und überrascht vom eigenen Erfolg. Authentizität spielt bei ihr keine Rolle. Sie macht alles richtig.

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    • Sidonie

      @Zach

      Ich finde es nicht peinlich, wenn Jenny über ihre Mutter spricht und verstehe auch nicht, warum das peinlicher sein soll, als wenn sie über Ihren Freund oder über XY sprechen würde. Das was die anderen Mädchen so erzählen ist auch nicht immer der Weisheit letzter Schluss, und muss es auch nicht unbedingt sein. Jeder hat andere Beziehungsschwerpunkte, Gesprächsthemen und Spleens und darf sie auch haben.
      Viel peinlicher finde ich, wenn man das was sie sagt absichtlich unhörbar macht und damit zensiert. Ob ich etwas interessant oder nett oder was auch immer finden will, möchte ich als Zuschauer selbst entscheiden, und nicht vorgekaut kriegen. Ich finde es einfach nur unverschämt, so mit Jenny und dem Zuschauer umzugehen.

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    • Zach

      @Sidonie

      Ich finde das Vorspulen harmlos, vermutlich ging es nur darum, Wiederholungen zu vermeiden (auch nach dem Blick in den Spiegel hatte sie schon ganz ähnlich gesagt: „Genau so wollte das auch meine Mum immer haben“). Respektvoll ist das Vorspulen nicht, in einer Doku über Frau Merkel würde man das sicher nicht machen. Aber auch GNTM will (und muss) in erster Linie unterhaltsam sein, nicht respektvoll und authentisch.

      Weniger harmlos finde ich, dass man die genauen Umstände nicht sieht, unter denen der Boxsack-Satz fiel. Einige scheinen das ja so zu verstehen, als würde Jennifer ihre Mitstreiterinnen mit dem Tode bedrohen. Dabei ist eigentlich klar, dass sie nur ihre Gefühle anschaulich beschreiben will. Sie sitzt auf dem Sofa, ist wohl allein mit dem Kameramann, dieser hatte sie vielleicht vorher gefragt: „ Jenny, beschreib doch mal, wie Du dich fühlst, Dir geht es ja gerade nicht so gut“. Vielleicht war es so, vielleicht auch nicht. Wir wissen es nicht, weil wir nur einige Schnipsel sehen, die wieder mit anderen Schnipseln zusammengeschnitten werden, bis eine Geschichte entsteht, die die Redakteure stimmig finden.

      Ich finde es eigentlich nicht unverschämt, so mit dem Zuschauer umzugehen. Das ist eben Fernsehen. Das ist immer vorgekaut, vorsortiert, nach dramaturgischen Regeln montiert, verkürzt und vereinfacht. Je offener sie das zeigen, desto besser. Eigentlich müssten sie noch viel mehr „Vorspuler“ einbauen, als ständige Erinnerung daran, dass man nur einen winzigen Ausschnitt zu sehen bekommt.

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  • Alina

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    Ich habe mal ein ganz anderes Anliegen!

    Weiß jemand vielleicht, wie das Lied beim Entscheidungs-Walk von Laura, die dann rausgeflogen ist, heißt?

    Es wurde von einer Frau gesungen und ich würde es in R ’n‘ B / Hip Hop einordnen.

    Würde mich über Antworten sehr freuen! 🙂

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    • Kevin

      Hallo Alina,

      hier ist das Lied:

      Feder feat. Emmi – Blind

      Gruß,

      Kevin

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  • Nelly

    Antworten

    Bei Julia denke ich immer an Kate Moss. Die Jury hat sie glaube ich auch am Anfang mit Lottie Moss verglichen – das ist vielleicht dieses Gesicht mit den hohen Wangenknochen, was einerseits so kindlich aussieht, andererseits die Augen drücken doch etwas Sinnlicheres aus, also dieses Kindfrau-Dings was bei Kate Moss eben so zweideutig war. Es gab diesen Clip zu Obsession von Calvin Klein, wo sie nackt rennt als wäre sie ein Opfer einer Vergewaltigung. Heute würde so eine Werbung nicht mehr erlaubt. Aber Julia bringt genau das rüber – dieses Kindfrau-mäßige wo ich mich immer frage ob es ok ist, wenn das so erotisch aufgeladen wird.

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  • Schantall

    Antworten

    Mann, ich hoffe nur, dass die Erfolgsgeschichte von Staffel 11 nicht nun ein Ende hat. Ich war bisher begeistert- endlich wieder ein GNTM wie es am Anfang war mit Laufsteg, Casting, challenge und photoshoot. Vielleicht kommt ja auch noch das ein oder andere Laufstegtraining oder makeup Training dazu. Waere super.
    Aber in dieser letzten Folge ging’s fuer mich schon wieder in die Falsche Richtung. Der Focus war auf Yusras Unmotiviertheit und Jennys Eifersucht gegenueber Fata. Die Vorschau hat befuerchten lassen, dass das naechste Woche noch schlimmer wird.
    Ich hoffe nicht!

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  • Kurtis Tree.

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    Fata find ich Cool und „Ehrwürdig“. Sie hat sich nicht vor diesen Illuminaten Marionetten Nackt gemacht.

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  • Nelly

    Antworten

    Was ist denn los? Wurde der Blog eingestellt?

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    • Kevin

      Hallo Nelly,

      gerade fehlt mir leider die Zeit, um den Blog ordentlich zu pflegen. Ich habe das auch gerade schon Sidonie geschrieben. Ich versuche aber alles, um heute noch schnell den Rückblick auf die vergangene Woche fertig zu machen und im Anschluss auch direkt den Artikel zur heutigen Folge fertigzustellen. Bitte seht mir etwas nach, dass es gerade etwas hängt. Wenn ihr natürlich Lust habt, könnt ihr den Blog gerne mit eigenen Artikeln unterstützen und wir machen aus der 1-Mann-Show ein größeres Community-Projekt. Deine Kommentare sind ja meist schon so ergiebig, dass es inhaltlich für einen Artikel reichen könnte 😉

      Lieben Gruß und große Entschuldigung,

      Kevin

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