GNTM-Folge 6: Ein dadaistischer Catwalk

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Lynn hat keinen Bock auf Zelten bei GNTM 2017

Bisher hielt sich GNTM 2017 wacker, doch mit der letzten Folge glitt die Modelsendung leider massiv in die Untiefen der Bedeutungslosigkeit ab. Der Grund liegt dabei am finalen Catwalk, der an Albernheit einfach nicht zu überbieten war. Statt in einer anspruchsvollen oder optisch ansprechenden Kulisse unterwegs zu sein, mussten sich die Models durch einen Boxring quälen, der mit halbstarken Wrestlern gefüllt war. Das war nicht nur unangenehm anzuschauen, sondern hatte einfach keinen Mehrwert. Die Einschätzung über den Laufstil und die Fähigkeiten der Models konnte keinesfalls objektiv überprüft werden, da der Boden permanent wackelte. Das ist in etwa so, als würden wir die Models das nächste Mal am Rande einer tektonischen Platte laufen lassen – direkt bei einem Erdbeben.

Wenn dünne Models von adipösen Amerikanern angeschrien werden

Beim Wrestling zeigt sich wie hart die Models bei GNTM 2017 wirklich sind. Es gibt Blut, Schweiß und fette Kerle. Bild: Glomex/Pro7

Beim Wrestling zeigt sich wie hart die Models bei GNTM 2017 wirklich sind. Es gibt Blut, Schweiß und fette Kerle. Bild: Glomex/Pro7

Gleichzeitig war das komplette Setting mit so viel Fremdscham belegt, dass selbst Gina-Lisa Lohfink dagegen wie eine Dame von Welt wirkt. Während sich Michael Michalsky ob der verschwitzten und springenden Männer gar nicht mehr einkriegte, gröhlten dicke US-Amerikaner, als ihre Wrestling-Helden knapp an den Models vorbeisprangen. Hier war wirklich für jeden Misanthrop etwas dabei: ein keifender Michalsky, unangenehmes Publikum, inszenierte Kämpfe und Models, die nicht mehr wussten, was hier gerade abgeht. Mit dem Catwalk rissen die Produzenten alles ein, was bis dahin mühevoll aufgebaut wurde. Denn eines muss auch gesagt werden: Abgesehen von dem mit Abstand schlimmsten Entscheidungs-Walk aller Zeiten war die 6. Folge GNTM 2017 eine angenehme Reise.

So zum Beispiel die Reise von Greta, Giuliana und Carina nach Paris. Obwohl wieder etwas zu sehr auf Carinas eigenwilligen Charakter und ihre Zeit in Paris eingegangen wurde, war das Casting genauso, wie ich es mir vorstelle. Es wurde vom Kunden eine Anforderung gestellt, die Models wurden ordentlich und fair bewertet und der Zuschauer wurde sogar noch mit einem kurzen Einblick in das Shooting belohnt. Die Kundin (eine Brautmoden-Designerin, die ihren jährlichen Auftritt bei GNTM weiterführte), entschied sich für Greta – eine nachvollziehbare Entscheidung. Giuliana kam mit dem Casting-Druck nicht klar und versagte beim Probeshooting. Carina wiederum sah zwar wie immer gut aus und präsentierte sich auch gut, doch ist ihr Look einfach wesentlich kindlicher als Gretas Aussehen. Wobei hier auch wieder die Kritik von Heidi Klum erwähnt werden muss. Wenn Greta lächelt, quellen die Falten nur so an den Wangen heraus. Ihre Haut wirkt wie Reispapier, das jederzeit reißen könnte. Offensichtlich mögen das die Kunden – für mich wirkt es eher ungesund.

Lynn hat keinen Bock auf Zelten bei GNTM 2017

Lynn hat keinen Bock auf Zelten bei GNTM 2017

Lynn wünscht sich Luxus und bekommt eine Luftmatratze

Während die drei Grazien in Paris ihr Glück suchten, durften der Rest der Modelclique einen echten Abenteuer-Ausflug erleben. Mitten in der Wüste Nevadas mussten Zelte aufgestellt, Luftmatratzen aufgepustet und Westen festgehalten werden. Besonders interessant war hierbei die Aussage von Lynn, die gar nicht verstehen konnte, warum der Luxus bei GNTM immer noch nicht beginnt. Armes Mäuschen, dass ohne eigene Aufgaben oder finanzielle Nöte durch die USA reisen muss und dabei an jeder Stelle von einem Produzenten-Team hofiert wird. Das Leben kann schon ungerecht sein. Doch wollen wir nicht zu sehr auf der schönen Lynn rumhacken – immerhin legte sich ihr Groll, als am Abend alle Models gemeinsam mit Thomas und Michael am Lagerfeuer standen und ganz modelgerecht Marshmallows aßen.

Natürlich erfüllte der Wüstenbesuch nicht nur einen gemeinschaftlichen Zweck – auch Modeln stand auf dem Programm. Ein professioneller Rallyefahrer musste durch eine Anordnung von Kisten rutschen, während jeweils zwei Models gegeneinander posten. Durch den Zweikampf bekam entweder Team Michael oder Team Hayo einen Punkt, um am Ende den Gewinner (und damit einen Schlafplatz in einem Luxushotel) zu ermitteln. Klingt spannend – war es aber nur teilweise. Denn obwohl das Duell ganz ansprechend war, war das fotografische Ergebnis nicht der Rede wert. Trotz der Bewegung der Kisten entstand keinerlei Dynamik. Das war umso bedauerlicher, da es nur ein weiteres Shooting gab und die Bilder nicht höchsten Ansprüchen genügen. Übrigens: Der Fotograf bemängelte an Anh, dass ihre Augen zugekniffen wären. Ein Schelm, wer sich Böses dabei denkt. Neele versuchte es mit einer liegenden Pose und rutschte damit nicht nur aus der Beleuchtung, sondern setzte bereits ein Bein in ihr persönliches GNTM-Grab.

Eine Nachricht, die selbst Heidi nicht überstimmen kann

In Las Vegas trafen dann wieder alle Models zusammen: Die Pariser (gnihihi) und die Wüstenmäuse waren vereint und durften abschließend gemeinsam den dadaistischen Walk absolvieren. Vor der Modelherausforderung sprach Heidi Klum explizit davon, dass absurde und extravagante Posen nicht zur heutigen Show gehören. In diesem Moment schrien sich bereits adipöse US-Amerikaner die Seele aus dem Leib und nutzten die Kamera, um sich selbst darzustellen – so viel dazu. Lynn interessierte Heidis Anweisung jedoch nicht. An jeder Ringecke zeigte sie ihre Muskeln, die von einem kleinen Zweig eines Feigenbaums nicht zu unterscheiden waren. Muskeln hin, Muskeln her – Heidi gefiel der Auftritt nicht und Lynn stand anscheinend kurz vorm Rausfliegen oder zumindest vorm Wackeln. Doch Rettung nahte in Form eines Castings. Lynn war eines von zwei Models, das in der siebten Folge einen Kunden von sich überzeugen darf. Da sind selbst Modelmama Heidi die Hände gebunden.

Am Ende standen sich in Giuliana und Neele zwei vollkommen unterschiedliche Typen gegenüber. Jury-Vorsitzende Klum entschied sich für den besonderen Look von Giuliana und gegen den Fitness-Charme von Neele. Damit zeigte sich jedoch auch, dass Individualität nicht immer belohnt wird. Neele konnte laufen, posen und modeln. Doch ein verkorkstes Foto und die unterschwellige Kritik von Sabine wirkten anscheinend so negativ, dass die eigentlichen Eigenschaften von Neele in den  Hintergrund rückten. Schade um Neele, die mich zwar optisch nicht überzeugte, doch alle Eigenschaften für eine Modelkarriere mitbrachte.

Und sonst so:

  • Michalsky freute sich diebisch, als er herausfand, dass seine Luftmatratze elektrisch aufblasbar ist. Blöd nur, dass seine XXL-Matratze nur mit äußerstem Kraftaufwand ins Zelt passte. #einfachmalinmatheaufpassen
  • Die billige Absteige des Verliererteams war übrigens ein Motel, in dem die Produzenten auf Zwang versuchten, es eklig darstellen zu wollen. Mehr als ein tropfender Wasserhahn konnte jedoch nicht gefunden werden.
  • Beim Burlesque-Shooting war Ruhe die oberste Bürgerpflicht. Die Fotografin saß durchgehend auf einem Hocker, während die Models versuchten, im Cirque de Soleil für akrobatische Fotos zu sorgen. Ein sehr angenehmes Shooting, das gern wiederholt werden darf.
  • Der Kleinkrieg zwischen Sabine und Neele ist nun zwar vorbei, doch Sabine wird auch in der kommenden Woche Epizentrum aller emotionalen Schwankungen bleiben. Offensichtlich haben wir unsere Dramaqueen 2017 gefunden.
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